Statement von Josef nach der Haft

Danke an Unterstützer*innen für Briefe, Grüsze, Kundgebungen, Spenden und anderen Support Eure Solidarität hat die ganze Haft einfacher gemacht.    Getroffenen hat es nicht nur mich sondern auch viele andere, aber gemeint sind wir alle. So muss Hüsyin immer noch in Haft  bleiben und viele andere habe Anzeigen bekommen. Auch bei ihnen wird wahrscheinlich der Paragraph 274 Landsfriedenbruch zu Anwendung kommen und damit die Kriminalisierung von antifachistischen Protesten weiter vorangetrieben.    

Ich weisz nicht was ich sagen soll, bin überwältigt von den Eindrücken und über glücklich wieder meinen Tagesablauf selber bestimmen zu dürfen und mir wichtige Menschen treffen zu können. Jetzt außerhalb der Mauer wird mir erst bewusst, auf wie viele Dinge ich in den letzten 6 Monaten verzichten musste. In der JVA Wien Josefstadt ist nur ein überleben möglich, aber kein Leben. Es gibt ein Dach über den Kopf, Essen, medizinische Betreuung und sanitäre Einrichtungen, aber dies ist keine menschenwürdige Unterbringung.  

Für die meisten Häftlinge bedeutet der Aufenthalt im Häfn 23 Stunden Zelle und eine Stunde Freigang im Hof, der kaum größer als 20 Quadratmeter ist. Für ein paar wenige gibt es die Möglichkeit zu arbeiten, um den tristen Alltag zu entfliehen. Freizeitmöglichkeiten gibt es kaum  und wenn finden sie nur sehr sporadisch (einmal im Monat) statt.    In meinen Fall war das Erhalten von eigenen Büchern und bestimmter Zeitungen  schwierig und bedürfte einiger Auseinandersetzungen mit den Beamt*innen. Obwohl diese Sachen einem Häftling noch gesetzlich zustehen.  Allgemein sind die JVA-Angestellten darauf bedacht, möglichst wenig Stress zu haben. Daher erziehen sie alle Häftlinge so, dass sie fernschauen und die Fresse halten. Notfalls werden Probleme mit Hilfe von Medikamenten behandelt und so die Häftlinge ruhig gestellt. Das Resultat ist,dass viele Gefangene schon nach wenigen Wochen gebrochene Menschen sind, die Probleme haben ihren Alltag organisieren, dies ist wohl ein Ziel der Haft.  Das nach einer absolvierten Haftstrafe, die meisten Gefangenen rückfällig werden liegt unter anderem auch an den Zuständen in den Haftanstalten.

Ein weiteres ist, dass nicht „Kriminelle“ sondern soziale Probleme weggesperrt werden. In der JVA-Wien-Josefstadt habe ich viele Menschen ohne österreichischen Pass und Arbeitserlaubnis getroffen, die daher nur illegal an Geld kommen können (oder  sonst verhungern müssten). Daher schafft sich der Rechtsstaat viele Probleme selber.   Mehr Geld für die Justizvollzugsanstalten würde zwar die Bedingungen verbessern, doch generell sollte eine emanzipatorische Gesellschaft ohne Knäste auskommen.   Noch ist nicht einschätzbar, ob mein Prozess der Anfang einer Welle von Repression gegen Antifachistisch*innen ist. Daher sollte das weitere Vorgehen der Justiz kritisch betrachtet werden.

Freiheit für alle!    

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